Visualisierung: Holzscheune mit einer Indach-Solaranlage, die schwarzen Module bündig in der Ziegeldeckung eingelassen

Solarziegel, Indach oder Aufdach: Welche Photovoltaik passt zu Ihrem Dach?

8 Minuten

Adrian HohlerEnergieberater, AlpenEnergie

Kurz gesagt

Solarziegel und Indach-Photovoltaik ersetzen einen Teil der Dacheindeckung, eine Aufdachanlage wird auf das bestehende Dach montiert. Integrierte Anlagen unter 30 kW erhalten vom Bund CHF 400 pro kW Einmalvergütung statt CHF 360, belegt mit drei Fotos von Bauphase, Randabschlüssen und Gesamtanlage. Indach passt vor allem zur ohnehin geplanten Dachsanierung, Solarziegel zu Häusern in Kernzonen oder unter Denkmalschutz.

Einmalvergütung für integrierte Anlagen unter 30 kW
CHF 400/kW
Quelle: EnFV Anhang 2.1
Einmalvergütung für angebaute Anlagen unter 30 kW
CHF 360/kW
Quelle: EnFV Anhang 2.1
Nachweis für integrierte Anlagen: Bauphase, Randabschlüsse, Gesamtanlage
3 Fotos
Quelle: Pronovo

Wer eine Solaranlage plant, entscheidet früh über die Bauart: Module auf die bestehenden Ziegel setzen, die Anlage ins Dach einbauen oder Solarziegel verlegen, die fast wie ein normales Ziegeldach aussehen. Die Wahl beeinflusst Optik, Dacharbeiten, Bewilligung und die Einmalvergütung des Bundes.

Solarziegel, Indach, Aufdach: die drei Bauarten im Überblick

Swissolar beschreibt für das Schrägdach Aufdach- und Indachanlagen. Aufdachanlagen werden auf das bestehende Dach montiert, die Ziegel bleiben darunter liegen. Indachanlagen sind in das Dach integriert und werden Teil der Gebäudehülle. Solarziegel ordnet EnergieSchweiz als eine Form der gebäudeintegrierten Photovoltaik ein: Die Elemente produzieren Strom und übernehmen zugleich die Aufgabe der Dacheindeckung.

Für die Förderung zählt nicht der Produktname, sondern die Funktion. Integriert ist eine Anlage laut Energieförderungsverordnung, wenn sie neben der Stromproduktion zusätzlich dem Wetterschutz, dem Wärmeschutz oder der Absturzsicherung dient.

Vergleich auf einen Blick

Merkmal

Aufdach

Indach

Solarziegel

Montage

Auf die bestehende Eindeckung

Anstelle eines Teils der Dachhaut

Als Teil der Dacheindeckung

Optik

Modulfeld über den Ziegeln

Bündig, ragt nicht aus dem Dach

Kaum von Dachziegeln zu unterscheiden

Passt oft zu

Intaktem Dach, kleinerer Sanierung

Komplettsanierung, Altbau

Geschützten oder ortsbildsensiblen Bauten

Einmalvergütung unter 30 kW

CHF 360 pro kW

CHF 400 pro kW

CHF 400 pro kW, wenn als integriert anerkannt

Fotos für Pronovo

Nicht verlangt

Drei Fotos

Drei Fotos, wenn als integriert anerkannt

Indach-Photovoltaik: Was sie ausmacht

Bei einer Indach-Photovoltaik ersetzen die Module einen Teil der Dachhaut. Dadurch braucht es weniger Dachziegel, und die Anlage fügt sich laut EnergieSchweiz harmonisch in das Gesamtbild ein, was sie für Altbauten oft passend macht. Die Ränder werden abgedichtet, die Fläche ragt nicht aus dem Dach heraus.

Weil die Anlage selbst dicht sein muss, stellt sie Anforderungen an das Dach. In der von EnergieSchweiz beschriebenen Lösung ist eine Mindestdachneigung von 25 Grad nötig, damit Wasser und Schnee gut abfliessen. Die genaue Vorgabe hängt vom gewählten System ab und steht im Systemnachweis des Herstellers.

Am meisten Sinn ergibt Indach, wenn das Dach ohnehin neu eingedeckt wird. EnergieSchweiz nennt sie ausdrücklich eine gute Lösung bei einer Komplettsanierung.

Aufdach: die einfachere Lösung auf bestehendem Dach

Bei der Aufdachanlage bleiben die Ziegel liegen, eine Unterkonstruktion trägt die Solarmodule darüber. EnergieSchweiz bezeichnet diese Variante als einfacher und günstiger; sie eignet sich bei kleineren Sanierungen. Ist das Dach intakt und tragfähig, ist Aufdach deshalb meist der naheliegende Weg.

Bei der Förderung liegen beide Bauarten nahe beieinander: Angebaute Anlagen unter 30 kW erhalten CHF 360 pro kW, integrierte CHF 400. Bei 10 kW sind das CHF 400 Unterschied, denen bei Indach der Umbau der Dachhaut gegenübersteht.

Solarziegel: wenn das Dach ein Ziegeldach bleiben soll

Solarziegel lassen sich laut EnergieSchweiz fast nicht mehr von herkömmlichen Dachziegeln unterscheiden. Neben Farbe und Textur lassen sich Grösse und Form an das Dach anpassen. EnergieSchweiz nennt als Beispiel Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen.

Wichtig für die Planung: Nicht jede Indachanlage besteht aus Solarziegeln, und nicht jeder Solarziegel erfüllt automatisch die Voraussetzungen für den höheren Fördersatz. Ob eine Anlage als integriert gilt, zeigt sich am Aufbau und an den Fotos, die Pronovo verlangt. Verfügbarkeit, Leistung und Dachaufbau hängen vom einzelnen System ab und gehören in die Offerte.

Ertrag: Was die Bauart ändert und was nicht

Eine allgemein gültige Prozentzahl, um wie viel Indach mehr oder weniger Strom liefert als Aufdach, gibt es in den Quellen von Swissolar, EnergieSchweiz und BFE nicht. Belegt ist nur der Zusammenhang: Der Leistungsgrad einer Photovoltaikanlage sinkt mit zunehmender Temperatur. Wie stark sich das bei einem bestimmten System auswirkt, hängt vom Dachaufbau ab.

Planbar sind Ausrichtung und Neigung. Nach Swissolar erreicht eine Anlage das Maximum bei Südorientierung und 30 Grad Neigung, doch auch Anlagen, die nicht nach Süden zeigen, können rentabel sein. Als allgemeine Faustregel für das Schweizer Mittelland nennt Swissolar 200 kWh pro Quadratmeter Modulfläche und Jahr. Das ist ein Planungsrichtwert, kein eigener Wert für Indach oder Solarziegel. Eine erste Schätzung für Ihr Dach liefert der Solarrechner.

Einmalvergütung: CHF 400 pro kW für integrierte Anlagen

Der Bund fördert Solaranlagen über die Einmalvergütung, die Pronovo auszahlt. Für integrierte Anlagen, die ab dem 1. Januar 2023 in Betrieb gingen, gilt seit 1. April 2025 ein Leistungsbeitrag von CHF 400 pro kW in der Klasse unter 30 kW. Angebaute Anlagen gleicher Grösse erhalten CHF 360 pro kW. Wie sich alle Förderwege kombinieren lassen, zeigt der Ratgeber zur Solarförderung.

Ab 30 kW wird der Beitrag anteilig über die Leistungsklassen berechnet. Bei einer 10-kW-Anlage macht die Bauart CHF 400 aus: CHF 4'000 integriert gegenüber CHF 3'600 angebaut. Getrennt davon kennt die Verordnung einen Neigungswinkelbonus von CHF 400 pro kW für integrierte Anlagen mit mindestens 75 Grad Neigung; er gehört nicht zum normalen Satz für das Schrägdach.

Leistungsbeitrag nach Bauart und Anlagengrösse

Einmalvergütung des Bundes in CHF pro kW, ab 1. April 2025

Werte als Tabelle
Leistungsbeitrag nach Bauart und Anlagengrösse
angebautintegriert
unter 30 kWCHF 360CHF 400
30 bis unter 100 kWCHF 300CHF 330
ab 100 kWCHF 250CHF 250

Ab 30 kW wird der Beitrag anteilig über die Leistungsklassen berechnet.

Quelle: EnFV SR 730.03, Anhang 2.1, Stand 1. Juli 2026

Fotonachweis: drei Bilder für Pronovo

Für integrierte Anlagen verlangt Pronovo drei Fotos: Bauphase, Randabschlüsse und Gesamtanlage. Die Verordnung erklärt den Zweck: Die Bilder sollen den Solarstromgenerator während des Baus und nach der Fertigstellung zeigen, sodass erkennbar ist, dass eine integrierte Anlage vorliegt.

Das Foto der Bauphase lässt sich nicht nachholen.
Sobald das Dach geschlossen ist, fehlt der Blick auf den Aufbau. Legen Sie deshalb vor Baubeginn fest, wer die Bilder macht. Das Gesuch für kleine Anlagen reichen Sie bei Pronovo erst ein, wenn die Anlage realisiert ist.

Ortsbild und Kernzonen: wann eine Bewilligung nötig ist

Nach Art. 18a des Raumplanungsgesetzes brauchen genügend angepasste Solaranlagen auf Dächern in Bau- und Landwirtschaftszonen keine Baubewilligung, sie werden der zuständigen Behörde gemeldet. Die Kantone dürfen aber in klar umschriebenen Schutzzonen eine Bewilligungspflicht vorsehen. Auf Kultur- und Naturdenkmälern von kantonaler oder nationaler Bedeutung ist immer eine Bewilligung nötig, und die Anlage darf das Denkmal nicht wesentlich beeinträchtigen.

Wie das kantonal aussieht, zeigen drei Beispiele. Im Aargau brauchen Anlagen in Dorf-, Altstadt- und Kernzonen sowie auf Gebäuden unter Substanzschutz eine Bewilligung. Im Kanton Zürich sind laut kantonalem Leitfaden (Stand Dezember 2022) sämtliche Solaranlagen in Kernzonen und im Bereich eines Ortsbild- oder Denkmalschutzinventars bewilligungspflichtig; die aktuelle Handhabung bestätigt die Gemeinde. In Basel-Landschaft gilt das für Kern-, Ortsbildschutz- und Denkmalschutzzonen; auf Dächern müssen die Anlagen dort genügend angepasst sein.

EnergieSchweiz nennt Solarziegel als mögliche Lösung für geschützte Gebäude, weil sie wie ein Ziegeldach wirken. Eine Bewilligung ersetzen sie nicht, Gestaltung und Bewilligung klären Sie vor der Bestellung mit der Gemeinde. Ausserhalb der genannten Sonderfälle gehen die Interessen an der Solarenergie den ästhetischen Anliegen laut Gesetz grundsätzlich vor.

Wann welche Bauart passt

  • Aufdach: Das Dach ist intakt und soll noch lange halten. Die Montage ist einfacher, die Förderung beträgt CHF 360 pro kW.
  • Indach: Eine Komplettsanierung steht an, die Dachneigung passt zum System, und Sie wünschen eine bündige Fläche. Für eine als integriert anerkannte Anlage unter 30 kW beträgt der Leistungsbeitrag CHF 400 pro kW; die Fotos für Pronovo belegen die Einstufung.
  • Solarziegel: Das Haus steht in einer Kernzone, in einem geschützten Ortsbild oder ist ein Denkmal, und die Dachansicht soll wie ein Ziegeldach wirken. Zuerst klären Sie mit der Gemeinde die Bewilligung.

Ob Ihre Adresse in unserem Einsatzgebiet liegt, sehen Sie auf der Übersichtskarte. Die Bauart legen wir erst nach der Besichtigung von Dach, Neigung und Zone fest.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Indach und Aufdach?

Eine Aufdachanlage wird auf die bestehende Eindeckung montiert. Eine Indachanlage ersetzt einen Teil der Dachhaut, ist an den Rändern abgedichtet und ragt nicht aus dem Dach heraus.

Gibt es für Solarziegel mehr Förderung?

Ja, wenn die Anlage als integriert anerkannt wird. Dann zahlt der Bund unter 30 kW CHF 400 statt CHF 360 pro kW. Nötig sind drei Fotos von Bauphase, Randabschlüssen und Gesamtanlage.

Braucht eine Indachanlage eine Baubewilligung?

Auf einem normalen Dach in der Bauzone reicht in der Regel eine Meldung, sofern die Anlage genügend angepasst ist. In Schutzzonen dürfen die Kantone eine Bewilligung verlangen, Aargau, Zürich und Basel-Landschaft tun das etwa für Kernzonen. Auf Denkmälern von kantonaler oder nationaler Bedeutung ist sie immer nötig.

Liefert eine Indachanlage weniger Strom als eine Aufdachanlage?

Eine allgemein gültige Zahl dazu gibt es nicht. Wärme senkt die Leistung jeder Anlage, wie stark, hängt vom System und vom Dachaufbau ab. Prüfen Sie deshalb für Ihr Dach Ausrichtung, Neigung, Verschattung und den Systemnachweis des Herstellers.

Lohnt sich Indach bei einem intakten Dach?

Der Förderunterschied beträgt bei einer 10-kW-Anlage CHF 400 (CHF 4'000 statt CHF 3'600). Ob sich Indach lohnt, entscheiden die konkreten Dach- und Systemkosten in der Offerte. EnergieSchweiz nennt Indach eine gute Lösung bei einer Komplettsanierung und Aufdach die Variante für kleinere Sanierungen.

Quellen

  1. Energieförderungsverordnung (EnFV) SR 730.03, Art. 6 und Anhang 2.1, Stand 1. Juli 2026
  2. Pronovo: Gesuch stellen Photovoltaik (Unterlagen und Fotos)
  3. Swissolar: Photovoltaik, Anwendung am Gebäude
  4. Swissolar: Photovoltaik (Ertrag im Mittelland)
  5. Swissolar: Dachbegrünung (Temperatur und Leistung)
  6. EnergieSchweiz: Dacherneuerung
  7. EnergieSchweiz: Solare Architektur
  8. Raumplanungsgesetz (RPG) SR 700, Art. 18a, in Kraft seit 1. Januar 2026
  9. Kanton Aargau: Bauverordnung (BauV) § 49a
  10. Kanton Zürich: Leitfaden Solaranlagen, Kapitel 8
  11. Kanton Basel-Landschaft: Raumplanungs- und Baugesetz (RBG) § 104b

Geschrieben von

Adrian Hohler

Energieberater

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