Dorf von oben mit Einfamilienhäusern, deren Satteldächer in alle Himmelsrichtungen zeigen, dazwischen Wiesen und Strassen

Sonnendach.ch lesen: Was Eignungsklasse, Farbe und Ertrag über Ihr Dach sagen

7 Minuten

Vincent MüllerVertriebsleiter, AlpenEnergie

Kurz gesagt

Sonnendach.ch ordnet jede Dachfläche der Schweiz einer von fünf Eignungsklassen zu, von gering (unter 800 kWh Einstrahlung je m² und Jahr) bis hervorragend (ab 1'400 kWh). Den Stromertrag rechnet die Anwendung mit 20 Prozent Modul-Wirkungsgrad und 80 Prozent Performance Ratio für die ganze Dachfläche, den Frankenwert mit pauschal 10 Rappen je kWh. Beides sind Schätzungen: nutzbare Fläche, Dachzustand, Statik und Bewilligung klärt erst die Prüfung vor Ort.

Eignung von gering bis hervorragend, nach Einstrahlung je m²
5 Klassen
Quelle: BFE Geodatenmodell Solarenergie
Einstrahlung je m² und Jahr für die Klasse hervorragend
ab 1'400 kWh
Quelle: BFE Geodatenmodell Solarenergie
der Einstrahlung als Strom gerechnet (20 % Wirkungsgrad × 80 % Performance Ratio)
16 %
Quelle: BFE Geodatenmodell Solarenergie
angenommener Wert je kWh für den Frankenbetrag
10 Rp.
Quelle: sonnendach.ch

Wer über eine Solaranlage nachdenkt, gibt meist zuerst die eigene Adresse auf sonnendach.ch ein. Das Dach erscheint eingefärbt, daneben stehen eine Eignungsklasse, ein Stromertrag in Kilowattstunden und ein Betrag in Franken. Dieser Ratgeber erklärt, woher jede dieser Angaben stammt, wie sie berechnet wird und an welcher Stelle die Karte aufhört und die Planung beginnt.

Was zeigt Sonnendach.ch?

Sonnendach.ch ist eine Anwendung des Bundesamts für Energie (BFE). Sie stellt alle Hausdächer der Schweiz nach ihrer Eignung für Solarenergie dar, vom Einfamilienhaus bis zum Industriegebäude. Dafür verknüpft sie Daten von swisstopo zur Grösse und Ausrichtung jeder Dachfläche mit Klimadaten von MeteoSchweiz, also Sonneneinstrahlung und Temperatur.

Für jede Dachfläche führt das Datenmodell drei Grundgrössen: Fläche, Ausrichtung und Neigung. Die Fläche entspricht der geneigten, physischen Dachfläche und damit der grösstmöglichen Modulfläche. Neben Privatpersonen nutzen Kantone, Gemeinden und die Stromnetzplanung dieselben Daten als Grundlage, etwa für Potenzialstudien.

Ausrichtung und Neigung richtig ablesen

Die Ausrichtung zählt in Grad von Nord im Uhrzeigersinn: Nord ist −180°, Ost −90°, Süd 0°, West 90° und wieder Nord 180°. Ein Wert nahe 0 bedeutet also ein Süddach, ein negativer Wert eine Drehung nach Osten, ein positiver eine Drehung nach Westen. Die Neigung steht ebenfalls in Grad, 0° ist ein waagrechtes Flachdach. Hat Ihr Haus mehrere Dachflächen, zeigt sonnendach.ch jede einzeln an, mit eigener Klasse und eigenem Ertrag. Notieren Sie die Werte je Fläche, denn der Solarrechner und die Offerte brauchen sie getrennt.

Die fünf Eignungsklassen und ihre Farben

Die Klasse einer Dachfläche hängt nur an einer Zahl: der mittleren jährlichen Einstrahlung pro Quadratmeter, gerechnet mit der Verschattung. Das BFE teilt diese Einstrahlung in fünf Stufen ein. Die Farben sind die Darstellung der aktuellen Karte; massgebend sind Klasse und Einstrahlung, darum lohnt es sich, beim Ablesen beides zu notieren.

Auf einem Satteldach mit Ost- und Westseite oder einem Walmdach mit vier Flächen erscheinen oft zwei oder mehr Farben nebeneinander. Das ist kein Fehler der Karte, sondern die Folge unterschiedlicher Ausrichtung, Neigung und Verschattung je Fläche. Die Klasse gilt immer für die einzelne Fläche, nie für das ganze Haus. Weil die Einstrahlung mit Verschattung gerechnet ist, kann auch eine Südfläche tiefer eingestuft sein, wenn Gelände oder Gebäude im Oberflächenmodell Schatten werfen.

Eignungsklassen auf sonnendach.ch

Mittlere Einstrahlung in kWh je m² und Jahr, mit Verschattung; in Klammern die Farbe in der Karte

Werte als Tabelle
Eignungsklassen auf sonnendach.ch
von (kWh/m²)bis (kWh/m²)
1 gering (Hellblau)0unter 800
2 mittel (Gelb)800unter 1'000
3 gut (Orange)1'000unter 1'200
4 sehr gut (Rotorange)1'200unter 1'400
5 hervorragend (Dunkelrot)ab 1'400

Klasse 5 ist nach oben offen; der Balken endet am Rand der Skala.

Quelle: BFE, Geodatenmodell Solarenergie V1.5 (31.01.2023), Tabelle 6

Wie Sonnendach.ch den Stromertrag berechnet

Der Stromertrag entsteht in zwei Schritten. Zuerst multipliziert die Anwendung die mittlere Einstrahlung mit der Dachfläche; das ergibt die Gesamteinstrahlung der Fläche pro Jahr. Darauf wendet sie einen Modul-Wirkungsgrad von 20 Prozent und eine Performance Ratio von 80 Prozent an. Als Formel: Stromertrag = 0,2 × 0,8 × Gesamteinstrahlung. Rund 16 Prozent der Sonnenenergie auf dem Dach werden so als Strom ausgewiesen.

Wichtig ist die Annahme dahinter: Die Rechnung belegt die ganze Dachfläche mit Modulen. Dachfenster, Lukarnen, Kamine und Balkone sind bei der Erfassung nicht berücksichtigt. Die Anwendung schreibt selbst, dass die real nutzbare Fläche deshalb bedeutend kleiner ausfallen kann.

Beispiel: ein Dach in Etziken

Der offizielle Ausdruck für ein Beispieldach in Etziken zeigt, wie stark die Belegung den Ertrag verändert. Die Werte gelten nur für dieses Dach und lassen sich nicht auf andere Adressen übertragen.

Belegung der Dachfläche

Solarstrom pro Jahr

vollständig (optimale Ausnutzung)

5'700 kWh

drei Viertel

4'275 kWh

die Hälfte (geringe Ausnutzung)

2'850 kWh

Welche Jahre in der Einstrahlung stecken

Der Ausdruck des Beispieldachs nennt für die Strahlungsdaten die Referenzjahre 2004 bis 2014. Die BFE-Dokumentation des Datenmodells führt für Aktualisierungen ab 2022 Klimadaten der Jahre 2011 bis 2020. Welcher Stand für Ihr Dach gilt, steht im Ausdruck Ihrer Adresse.

Was der Ertragswert in Franken bedeutet

Für den Frankenbetrag setzt sonnendach.ch pauschal 10 Rappen pro Kilowattstunde ein. Die Anwendung begründet das so: Ein Teil des Stroms wird selbst verbraucht und spart bis zu 20 Rappen je Kilowattstunde, der grössere Teil wird zu weniger als 10 Rappen eingespeist. Sie weist ausdrücklich darauf hin, dass Einspeisetarife und Strompreise in der Schweiz stark variieren.

Der Betrag ist damit eine Modellzahl, keine Offerte. Beim Beispieldach in Etziken mit 5'700 kWh ergibt die Pauschale rechnerisch CHF 570 pro Jahr, unabhängig davon, wer dort wohnt und wie viel Strom im Haus gebraucht wird. Zum Vergleich: Der ElCom-Median im Haushaltstarif H4 liegt 2026 bei 27,7 Rappen je Kilowattstunde. Der Referenz-Marktpreis des BFE für Solarstrom lag im zweiten Quartal 2026 bei 3,90 Rappen; für Anlagen unter 30 kW gilt seit dem 1. Januar 2026 eine Mindestvergütung von 6 Rappen. Wie viel Ihr Dach wert ist, hängt also stark davon ab, wie viel Strom Sie selbst nutzen. Wie ein Speicher diesen Anteil verschiebt, zeigt die Seite Solaranlage mit Speicher.

Der Vergütungstarif, den sonnendach.ch zusätzlich anzeigt, gilt für eingespeiste Energie einer Anlage mit 10 kVA Anschlussleistung und schliesst den Herkunftsnachweis ein, sofern dieser uneingeschränkt abgenommen wird. Die Tarifdaten stammen von pvtarif.ch des VESE.

Grenzen: Was Sonnendach.ch nicht prüft

Die Solarpotenzialanalyse wird automatisiert erstellt und ersetzt laut Anwendung keine Fachberatung. Die effektiven Erträge können von den berechneten Werten abweichen. Diese Punkte klärt die Karte nicht:

  • Nutzbare Fläche: Anbauten wie Dachfenster, Lukarnen, Kamine und Balkone sind in der Fläche nicht abgezogen.
  • Verschattung im Detail: Sie ist aus dem Höhenmodell swissALTI3D und einem digitalen Oberflächenmodell gerechnet, nicht vor Ort gemessen.
  • Dachzustand und Statik: In den Unterlagen von BFE und swisstopo ist keine Bewertung von Dachhaut oder Tragfähigkeit beschrieben.
  • Bewilligung: Sonnendach.ch enthält keine Hinweise zur Baubewilligungspflicht. Solaranlagen auf Kultur- und Naturdenkmälern von kantonaler oder nationaler Bedeutung brauchen stets eine Baubewilligung.
  • Solarwärme: Der Wärmebedarf kommt aus dem Gebäude- und Wohnungsregister und kann je nach Sanierungsgrad oder Heizsystem erheblich abweichen.

Zur Bewilligung gilt seit dem 1. Januar 2026: Genügend angepasste Solaranlagen auf Dächern oder an Fassaden in Bau- und Landwirtschaftszonen sind nach Art. 18a des Raumplanungsgesetzes bewilligungsfrei, aber meldepflichtig. Die Kantone können in Schutzzonen eine Bewilligungspflicht vorsehen, etwa in Kern-, Ortsbildschutz- oder Denkmalschutzzonen; auf Kultur- und Naturdenkmälern von kantonaler oder nationaler Bedeutung braucht es immer eine Baubewilligung. Wie Meldung, Montage und Netzanschluss zeitlich ablaufen, beschreibt der Ratgeber zur Dauer der Installation.

Von der Karte zum Solarrechner und zur Prüfung vor Ort

Sonnendach.ch verweist für die vertiefte Analyse selbst auf den Solarrechner von EnergieSchweiz. Sinnvoll ist eine Reihenfolge in drei Schritten, bei der jede Stufe genauer wird:

  • Adresse eingeben, je Dachfläche Klasse, Einstrahlung, Fläche, Ausrichtung und Neigung notieren.
  • Mit der nutzbaren Fläche im Solarrechner die Anlagengrösse bestimmen. Swissolar rechnet mit rund 5 m² je kWp; PVGIS ergibt für die Kantonshauptorte 1'080 bis 1'437 kWh je kWp und Jahr.
  • Eine Fachperson klärt nutzbare Fläche, Dachhaut, Statik, Schatten von Bäumen oder Nachbargebäuden, den Platz im Zählerkasten und die Meldung.

Für die Belegung selbst zählt auch das Modul: Leistung und Format bestimmen, wie viele kWp auf die gemessene Fläche passen. Mehr dazu auf der Seite zum Solarmodul. Ob AlpenEnergie an Ihrer Adresse montiert, zeigt das Einsatzgebiet.

Häufige Fragen

Was bedeutet Orange auf Sonnendach.ch?

In der aktuellen Karte steht Orange für Klasse 3, gut: 1'000 bis unter 1'200 kWh Einstrahlung je m² und Jahr. Das kräftigere Rotorange ist Klasse 4, sehr gut; Dunkelrot ist Klasse 5, hervorragend.

Heisst eine mittlere Eignung, dass sich keine Anlage lohnt?

Nein. Die Klasse beschreibt nur die Einstrahlung. Ob sich eine Anlage rechnet, hängt zusätzlich von Eigenverbrauch, Tarif des Netzbetreibers, Kosten und Förderung ab. Diese Grössen bewertet sonnendach.ch nicht für Ihr Haus.

Warum kann der echte Ertrag tiefer liegen als auf der Karte?

Weil die Anwendung die ganze Dachfläche mit Modulen belegt und Dachfenster, Lukarnen, Kamine oder Balkone nicht abzieht. Beim Beispieldach in Etziken sinkt der Ertrag bei halber Belegung von 5'700 auf 2'850 kWh pro Jahr.

Sagt Sonnendach.ch, ob ich eine Baubewilligung brauche?

Nein, dazu enthält die Karte keine Hinweise. Genügend angepasste Solaranlagen auf Dächern oder an Fassaden in Bau- und Landwirtschaftszonen sind seit 2026 meldepflichtig statt bewilligungspflichtig. In kantonalen Kern-, Ortsbildschutz- oder Denkmalschutzzonen kann trotzdem eine Bewilligung nötig sein; auf Kultur- und Naturdenkmälern von kantonaler oder nationaler Bedeutung braucht es immer eine Baubewilligung.

Wie aktuell sind die Daten auf Sonnendach.ch?

Das hängt vom Datensatz ab. Ein aktueller Ausdruck nennt die Referenzjahre 2004 bis 2014 für die Strahlung, die Dokumentation des Datenmodells für Aktualisierungen ab 2022 Klimadaten von 2011 bis 2020. Den Stand für Ihr Dach finden Sie im Ausdruck der Adresse.

Quellen

  1. BFE: Sonnendach.ch, Eignung von Hausdächern für Solarenergie
  2. BFE: Dokumentation Geodatenmodell Solarenergie, Version 1.5 (31.01.2023)
  3. sonnendach.ch: Anwendung mit Hinweisen zu Berechnung und Grenzen, abgerufen 30.09.2026
  4. sonnendach.ch: Ausdruck Beispieldach Etziken, abgerufen 30.09.2026
  5. sonnendach.ch: Stylesheet der Karte (Farben der Klassen), abgerufen 30.09.2026
  6. swisstopo: Eignet sich mein Hausdach für eine Solaranlage?
  7. ElCom: Strompreise und Tarife 2026
  8. BFE: Referenz-Marktpreise (Q2 2026: 38.96 CHF/MWh)
  9. Energieverordnung Art. 12 Abs. 1bis, Mindestvergütung, in Kraft seit 1.1.2026
  10. Raumplanungsgesetz Art. 18a (Solaranlagen), in Kraft seit 1.1.2026
  11. Swissolar: Energiepotenzial (50 m² für 10 kW), abgerufen 30.09.2026
  12. PVGIS 5.3, EU-Kommission JRC, Datenbank SARAH3, abgerufen 30.09.2026

Geschrieben von

Vincent Müller

Vertriebsleiter

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